Die Geschichte der Europe
Von der Moth zur Europe
|
1930 |
Moth, Moth-EUROPE, EUROPE - drei Namen für ein Boot sind schon eine ungewöhnliche Sache. Dies ist das Ergebnis einer langen Entwicklung, die 1988 zur Nominierung als Olympische Disziplin für Damen führte. Die EUROPE entstand aus der großen Familie der Moth, die Anfang der 30er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts in Florida aufgetaucht ist. Die Moth ist eine Gleitjolle, deren vorrangiges Ziel es war, schnell zu sein. Die Baubestimmungen enthielten nur zwei Punkte: die Länge durfte 11 Fuß und die Segelfläche durfte 7 qm nicht überschreiten. Alle Schalenformen waren erlaubt. Die Moth war eine Konstruktionsklasse, und es kam zum Wettkampf der Konstrukteure um die beste Schalenform. |
|
1938 |
Die Moth wurde in Europa erstmals 1938 in Frankreich eingeführt. Dank der Erfindung des Marine-Sperrholzes, mit dem dieses Boot leicht und kostengünstig gebaut werden konnte, erlebte die Moth in verschiedenen europäischen Ländern einen starken Aufwärtstrend. Später wurde die Moth auch aus Polyester und sogar aus Aluminium gebaut. 1962 gab es 25, in kleinen Serien gebaute, unterschiedliche Modelle der Moth. In dieser Zeit wollte die Internationale Klassenvereinigung die Boote noch schneller machen und vergrößerte die erlaubte Segelfläche auf 8 qm, was neue Konstruktionen bezüglich der Kentersicherheit erforderte. Da die Fantasie der Bootsbauer zu immer neuen Konstruktionen führte, waren die Segler stets nur mit den neuesten Modellen konkurrenzfähig. So stellten sich viele Segler, Funktionäre und Bootsbauer die Frage, ob es sinnvoll ist, die Klasse in dieser Weise weiterzuentwickeln. Schließlich sollten die Leistungen des Seglers das Maß der Dinge sein. |
|
1962 |
1962 konstruierte der Belgier Alois Roland die EUROPE, eine neue Form einer Moth, die sich im Gegensatz zu den meisten anderen Moth-Konstruktionen durch Robustheit auszeichnet. Damit ist diese Konstruktion auch für Seereviere geeignet, auf denen häufig rauhe Bedingungen herrschen, für die die filigranen Moth-Konstruktionen nicht tauglich sind. Durch knappe Toleranzen für alle Teile werden zudem baugleiche Boote erzeugt, die auch nach Jahren noch konkurrenzfähig sind. |
|
1970 |
Die Geschichte der international stärksten Jugendbootklasse begann 1963 mit der Gründung der Internationalen Klassenvereinigung (IECU - International EUROPE Class Union). Die Deutsche Klassenvereinigung wurde 1970 gegründet. Die Entwicklung der EUROPE nach der Trennung von der Moth ging stetig bergan, die Bedeutung der Moth ging stark zurück. Seit 1966 werden EUROPE-Weltmeisterschaften veranstaltet. Auch deutsche EUROPE-Segler konnten sich bislang als Weltmeister feiern lassen: Klaus-Dieter Schultz (1971), Joachim Hellmich (1984), Sven Stadel-Seiler (2006) und Svenja Puls (2007). |
|
1989 |
Die Akzeptanz der EUROPE durch junge Segler hat wesentlich zur Aufwärtsbewegung der EUROPE beigetragen: sie sehen die EUROPE als ideales Umsteigerboot für Einhandsegler nach dem Optimisten. In vielen Ländern werden getrennte Ranglisten gerechnet und eigene Jugendmeisterschaften ausgesegelt. Zur Unterstützung dieses Interesses bei den Jugendlichen werden seit 1989 Jugend-Europameisterschaften für Seglerinnen und Segler ausgerichtet. Die deutschen Seglerinnen und Segler sind dort sehr erfolgreich und haben schon viermal Meistertitel ersegelt: Maike Eggers (1989), Christiane Petzke (1995 und 1996) und Holger Hennerkes (1996). |
|
1992 |
Im Zuge der Emanzipation des Segelsportes haben die Damen die EUROPE mit ihren guten Segeleigenschaften und einem Segler-Idealgewicht von 50-75 kg als die für sie ideale Einhand-Jolle erkannt. Diesen Eigenschaften verdankt die EUROPE die Nominierung zur Olympischen Disziplin für Damen, erstmals 1992 in Barcelona. Wegen der guten Segeleigenschaften, der einfachen Handhabung und des problemlosen Transportes bleiben viele Segler über Jahre bei der EUROPE oder kommen nach Umwegen wieder auf sie zurück. Seit 1988 wird für die 'Senioren' in der EUROPE eine Veteranen-Weltmeisterschaft ausgesegelt, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut: Knapp 100 'Veteranen', darunter ehemalige 'echte' Weltmeister, segeln jährlich ihren Cup aus. |
|
2004 |
Im November 2004 beschließt die ISAF, dass der Laser-Radial die EUROPE als olympisches Einhandboot für Damen ersetzt. Nach wie vor bleibt die EUROPE offizielle Jugendbootsklasse des Deutschen Seglerverbandes (DSV). |
|
2007 |
Neue Konstruktionen mit Tragflächen an Schwert und Ruder (Foils) erreichen Geschwindigkeiten von ca. 30 Knoten, wobei der Rumpf durch den Auftrieb der Foils komplett aus dem Wasser steigt. Experten meinen jedoch, die Konstruktion sei zu diffizil, um eine größere Verbreitung zu finden. |

